"Ein Bericht für eine Akademie"

von Franz Kafka mit Herbert A. Bruns

Der Kölner Schauspieler Herbert A. Bruns bereist zusammen mit einem Musikerkollegen Kleinbühnen, um zu zeigen, dass Kafka höchst interessant und zudem verständlich vermittelbar sein kann. Genau daran hatte sich eine intensive Diskussion entzündet, als er - eher durch Zufall – im vergangenen Sommer in Italien auf den Leiter der Musical-AG der KGS Stuhr-Brinkum traf. Letzterer räumte ein, dass er in seinem Deutschunterricht eher einen Bogen um Kafka gemacht habe, da er viele seiner Erzählungen und erst recht seine Romane für zu „düster“ und nur schwer verständlich halte. Das sei allein eine Frage der Aufbereitung, hielt ihm der Kölner Schauspieler entgegen und berichtete von seinem spannenden Projekt, bei dem ein E-Gitarrist einen nicht unbeträchtlichen Teil im dramaturgischen Ablauf der Kafka-Präsentation darstelle.

 

Kurzum: Man einigte sich rasch auf die Möglichkeit eines Gastspiels in Stuhr.

 

So wird am kommenden Mittwoch in Seckenhausen ein professionelles „Ein-Mann-Theater mit Musik“ vom Feinsten zu erleben sein, ehe am Folgetag in der Mensaspielstätte vormittags weitere Aufführungen für Schüler folgen werden.

 

Um was geht es in dem Stück?
Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie" behandelt das Dilemma zwischen Freiheit und menschlicher Existenz, den Kampf zwischen Natur und Kultur in jedem von uns. Ein Affe, der an der afrikanischen Küste angeschossen und eingefangen wird, entschließt sich, auf dem Weg nach Europa Mensch zu werden. Das scheint ihm der einzig mögliche Ausweg aus seiner Gefangenschaft. Er hält nun vor der Akademie einen Vortrag über sein "äffisches Vorleben" und seine Menschwerdung. Er erscheint als äußerst eleganter Mensch und weist zunächst jegliche außergewöhnlichen Verbindungen zu seiner Vergangenheit von sich. "Ihr Affentum, meine Damen und Herren, kann Ihnen nicht ferner sein, als mir das meine." Er doziert und plaudert souverän und distanziert über seinen Ursprung. Mit zunehmender Intensität der Erinnerungen steigt die Emotionalität seines  Vortrages und Gefühle wie Haß, Frustration, Angst und Freude kommen zu Tage. Als er sich an sein erstes gesprochenes Wort "Hallo" erinnert, ist sein Enthusiasmus nicht mehr zu bremsen, der Vortrag nimmt groteske Züge an...

 

Kafka spricht hier unterschiedliche, aber im Prinzip äußerst aktuelle Themen an, die letztlich aber auch irgendwie zusammenhängen: Die Situation des Außenseiters, Gewalt, Mut, Mitgefühl, Befreiung aus der scheinbaren Ausweglosigkeit.


Dieses Ein-Personen-Stück verspricht also letztlich einen schillernden und höchst unterhaltenden literarischen Genuss auf höchstem Level und sollte ein Muss für alle literarisch Interessierten sein.